Menschen, die getötet haben: Tiefenhermeneutische Analysen by Heidi Möller

By Heidi Möller

Literaturverzeichnis ............................................................................................. 298 Anhang .................................................................................................................. 304 eleven Einleitung Während der fünf Jahre meiner Tätigkeit als Psychologin im nordrhein-westfälischen Strafvollzug habe ich mich trotz vieler Kritik, die ich an institutionellen Zwängen hatte, innerlich recht wohl gefühlt. Die 'grausige' establishment Gefängnis gab mir eine tiefe Sicherheit, und, so verrückt es sich für Außenstehende anhören magazine, Gebor­ genheit und Nestwärme. Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich keinen anderen Arbeitsplatz gefunden hätte. Nein, ich wollte damals unbedingt dort arbeiten, trotz auf den ersten Blick verlockender Alternativen. Konfrontiert wurde ich, meine Wahl betreffend, mit viel Unverständnis. Fragen wie: "Es muß doch schrecklich sein, in solch einem "Laden" zu arbeiten, ständig konfrontiert mit dem "Ausschuß der Gesellschaft", mit männli­ cher Gewalt und rigidester Hierarchie" waren an der Tagesordnung. Nur Kollegen aus dem Justizbereich kannten ähnliche Empfindungen, sprachen von der "Knastfamilie", und viele bewegten sich auch privat quick ausschließlich in Kollegenkreisen. Das enge Miteinander äußerte sich in so manchen Situationen. Ich brauchte z.B. nur Sätze oder Satzfetzen ins Gespräch zu bringen, und schon wurde ich verstanden. So einfach battle die Kommunikation, so leicht warfare Konsens herzustel­ len. Es warfare immer eine Freude, Menschen aus dem Strafvollzug kennenzulernen. Noch Jahre nach dem Abschied aus dem Justizdienst sprach ich gern über meine damalige Tätigkeit und habe noch heute konstante Verbindungen zu meinen damali­ gen Kollegen. Die Rückschau auf die Zeit im Strafvollzug struggle mir Anlaß zu dieser eingehenden Reflexion.

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Eigene negative Gefühle werden nach außen projiziert und dort bekämpft. 2. Das Realitätsgefühl Dissoziale leiden oft unter Derealisations- und Depersonalisationsgefühlen. "Eigentlich ist gar nichts geschehen, und außerdem war es nicht ich, der das getan hat," - so ließe sich dieses Gefühl beschreiben. Es ist dies dann weder eine Lüge oder Ausflucht noch eine psychotische Wahrnehmung, sondern Ausdruck eines Fremdheitsgefühls sich selbst und der Umgebung gegenüber. 3. Die Fähigkeit zur Realitätsprüfung Diese Fähigkeit ist im Prinzip bei den Dissozialen vorhanden, kann jedoch durch archaische Abwehrmechanismen temporäre Einbußen erfahren.

Rollenübernahme: aufgrund des Status- oder Machtneides übernimmt das Kind die Rolle des Vaters. Empirisch zeigte sich, daß die Identifikation mit dem Vater am größten war, wenn Vater und Mutter eine harmonische Beziehung hatten, in der die Geschlechterrollentrennung gering war; wenn der Vater gleichzeitig Träger von Belohnungs- und Bestrafungsmacht war; wenn beide Elternteile die Identifikation mit dem Vater honorierten. 5 Die Theorie der Über-Ich-Lücken Über-Ich-Lücken finden sich auch in äußerlich gut angepaßten Familien.

Eine niedrige Frustrationstoleranz, fehlende Empathiefahigkeit und geringe Identifikationschancen sind die Folge. Wird die Aggression nicht nach innen gekehrt, so wird die Ich- und die Über-Ich-Entwicklung gehemmt. Eine ausschließlich externalisierte Form der Aggressionsabfuhr und der Einsatz massiver, primitiver Abwehrmechanismen schließen sich an. Eine vernachlässigende, inkonsistente oder ambivalente Mutter bewirkt, daß das Kind emotionale Beziehungen als angstdurchsetzt und aggressiv erlebt.

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